Grundlagen der japanischen Grammatik

Die japanische Grammatik erscheint auf den ersten Blick übersichtlich. So ist es eine agglutinierende Sprache, bei der alle wichtigen grammatischen Formen an das Ende des Wortes „angeklebt“ (agglutiniert) werden.

Anders als in den westlichen Sprachen sind diese Anfügungen jedoch relativ frei und können beliebig ergänzt werden. So ergeben sich durchaus einige lange Wortkonstruktionen: taberu (essen) wird zu „tabesaserareru“ (zum Essen veranlasst werden).

Die japanische Grammatik verkompliziert sich vor allem dadurch, dass es zwar nur wenige Formen gibt, die einfach zu lernen sind, diese aber in vielen Fällen mehr als eine Bedeutung haben. Das oben angeführte Beispiel aus taberu mit dem sogenannten Kausativ-Passiv impliziert, dass „jemand zu etwas veranlasst wird“, aber gleichzeitig auch, dass diese Veranlassung einem nicht genehm ist.

Eine simple Grammatik

Die meisten Lehrbücher schreiben, dass Verben nicht konjugiert und Nomina nicht dekliniert werden. Das Japanische kenne keinen Plural und nur wenige Zeitformen. Diese Lehrbücher verkennen jedoch, dass das Japanische diese Strukturen kennt, aber eben nicht, wie in europäischen Sprachen direkt ausdrückt.

Japaner kennen wohl den Plural, sie können genauso die Zeiten ausdrücken wie wir, nur erschließt sich dies meist aus dem Kontext bzw. wird durch bestimmte Partikel und Hilfsverben ausgedrückt, die an die Verben angehängt werden.

Komplexe Strukturen

Zu den Schwierigkeiten der japanischen Sprache gehört, dass nicht direkt ausgedrückt wird, was gemeint ist. Hörer oder Leser haben zu interpretieren bzw. zwischen den Zeilen zu lesen. Dies ist typisch für viele asiatische Sprachen.

Das Subjekt eines Satzes wird häufig nicht genannt, wenn es vom Sprecher bekannt vorausgesetzt wird oder dem Kontext erschließbar ist. Dies ist vor allem für Anfänger nicht immer einfach.

Daneben existieren im Japanischen aber auch grammatische Strukturen, die durchaus komplexer sind. Zu diesen gehören die Verben des Gebens und Nehmens. Da nicht nur die Tätigkeit, sondern auch die soziale Stellung des Gebenden und Empfangenden mit impliziert wird, ergibt sich ein mehr als komplexes System. Dies gilt für alle Verben im Japanischen, denn es existieren quasi mehrere Sprachen nebeneinander.

Höflichkeitsebenen

Japaner unterscheiden bzw. sprechen in Höflichkeitsebenen, die vom Familiären bis hin zum Ehrerbietigsten reichen können. Das moderne Japanisch kennt drei Höflichkeitsebenen: Höflich, respektvoll und ehrerbietig. Hinzu kommt, dass der Sprecher sich durch Verwendung entsprechender Vokabeln und grammatischer Strukturen sozial niedriger stellen kann.

Das japanische Wort für gehen „iku“ kennt die ehrerbietige Form „irassharu“ und das sozial niedrigere „mairu“. Komplizierter wird es, wenn man bedenkt, dass diese Formen ja ebenfalls noch in die Höflichkeitsform mit „-masu“ (irasshaimasu) erweitert werden können.